3 Tage Elsässer Weinstraße: Die Etappen, die wirklich was bringen
Die Elsässer Weinstraße in 3 Tagen, das geht. Aber ehrlich gesagt, du musst clever planen, sonst verbringst du die Hälfte der Zeit im Auto und die andere Hälfte mit der Suche nach einem Parkplatz in Riquewihr. Die Strecke ist rund 170 Kilometer lang und führt von Marlenheim im Norden bis nach Thann im Süden. Auf dieser Distanz reihen sich über 70 Winzerdörfer aneinander, und nein, du wirst nicht alle sehen. Musst du auch nicht.
Ich teile die Route hier in drei logische Abschnitte auf, einen pro Tag, mit konkreten Stopps, ein paar Adressen, die wirklich was taugen, und den Stellen, wo ich persönlich übernachten würde. Für die Unterkunft : in der Hochsaison (Juli, August, Dezember) buchst du besser zwei Monate im Voraus, sonst bleiben nur überteuerte Hotels in Colmar übrig. Wenn du nach einer Basis mitten in den Weinbergen suchst, schau mal hier rein : https://gitesalsace67.com – das ist praktisch, wenn du nicht jeden Abend dein Gepäck umladen willst. Eine fixe Basis, von der aus du sternförmig fährst, spart dir echt Nerven.
Tag 1: Von Strasbourg bis Obernai, der nördliche Teil
Du startest am besten in Marlenheim, das ist offiziell der Anfang der Weinstraße. Ehrlich ? Der Ort selbst ist nichts Besonderes. Bleib nicht zu lange, das berühmte Wengetor ist nett für ein Foto, aber das war’s auch.
Fahr weiter Richtung Molsheim. Hier wird’s interessanter. Die Stadt hat einen schönen Marktplatz mit der Metzig, einem Renaissance-Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, und Bugatti hat dort sein Werk. Für Autofans Pflicht, für die anderen ein netter Halt für einen Kaffee.
Der echte Kick kommt mit Obernai. Das ist meiner Meinung nach eines der unterschätztesten Dörfer der Route. Weniger Touristen als Riquewihr oder Eguisheim, aber genauso schön. Der Place du Marché mit seinem Sechseimer-Brunnen, die alten Fachwerkhäuser, die Stadtmauer – du kannst alles in zwei Stunden zu Fuß ablaufen. Zum Mittagessen empfehle ich eine klassische Winstub, da kriegst du einen Baeckeoffe für etwa 18 bis 22 Euro.
Nach dem Essen weiter nach Mittelbergheim. Klingt unspektakulär, ist aber als eines der „Plus beaux villages de France“ klassifiziert. Hier gibt’s gute Adressen für Weinverkostungen, vor allem für Sylvaner, eine Rebsorte, die hier besser ist als anderswo im Elsass. Und am Ende des Tages : Andlau, mit seiner Abteikirche aus dem 12. Jahrhundert. Wenig touristisch, sehr ruhig.
Hast du eigentlich schon eine Vorstellung davon, wie viel du pro Tag fahren willst ? Mein Tipp : nicht mehr als 40 Kilometer netto, sonst hast du nur Stress.
Tag 2: Das Herzstück, von Bergheim bis Kaysersberg
Tag 2 ist der intensivste. Hier liegen die berühmtesten Dörfer, und ja, es ist voller. Aber es lohnt sich, wenn du weißt, wann du wo bist.
Fang früh an. Wirklich früh. Sei um 9 Uhr in Ribeauvillé, dann hast du die Hauptstraße fast für dich allein. Die Stadt hat drei Burgruinen oberhalb, und wer Lust auf eine kleine Wanderung hat (1 Stunde Aufstieg), kriegt eine Aussicht, die jedes Geld wert ist. Kostenlos übrigens.
Dann Hunawihr mit seiner befestigten Kirche – winzig, hübsch, kaum Touristen. Drei Kilometer weiter : Riquewihr. Und jetzt der ehrliche Teil. Riquewihr ist atemberaubend, aber zwischen 11 und 17 Uhr in der Saison ist es ein Albtraum aus Reisegruppen. Geh entweder vor 10 Uhr hin oder nach 18 Uhr, wenn die Bustouristen weg sind. Dann verstehst du erst, warum der Ort so einen Ruf hat.
Mittagessen empfehle ich nicht in Riquewihr selbst (überteuert), sondern im Nachbardorf Zellenberg, mit Blick über die Reben. Rechne etwa 30 Euro pro Person für ein Drei-Gänge-Menü mit Wein.
Nachmittags : Kaysersberg. Das war 2017 das Lieblingsdorf der Franzosen, und ja, das merkt man. Aber im Gegensatz zu Riquewihr ist die Stadt größer, das verteilt sich besser. Die mittelalterliche Brücke über die Weiss, die Burg oben am Hang, die kleinen Gassen – ich finde Kaysersberg eigentlich charmanter als Riquewihr, weil es weniger „Postkarte“ wirkt. Hier lebt was.
Letzte Etappe des Tages : Turckheim. Hier gibt’s eine Tradition, die ich cool finde – der Nachtwächter macht jeden Abend um 22 Uhr (von Mai bis Oktober) seine Runde durch die Stadt mit Laterne und Hellebarde. Kein Witz, das gibt’s seit Jahrhunderten und ist umsonst.
Tag 3: Der südliche Teil, von Eguisheim bis Thann
Eguisheim wäre mein Tipp Nummer eins, falls du nur ein einziges Dorf besuchen könntest. Die kreisrunde Anlage rund um die alte Burg, die geblümten Fassaden, die engen Gassen – das ist im Grunde das Klischee des elsässischen Dorfes in seiner reinsten Form. Auch hier : früh hingehen. Um 10 Uhr ist es noch okay, ab 11 wird’s eng.
Direkt daneben : die Drei Burgen von Eguisheim. Kostenloser Spaziergang, 45 Minuten hin und zurück, super Aussicht auf die Rheinebene. Wenn das Wetter klar ist, siehst du bis zum Schwarzwald.
Zum Mittag Colmar. Ja, Colmar gehört streng genommen zur Weinstraße. Das Viertel „Petite Venise“ mit den Kanälen ist hübsch, aber sehr touristisch. Ich finde, eine bis maximal zwei Stunden reichen, außer du willst ins Unterlinden-Museum (der Isenheimer Altar dort ist wirklich beeindruckend, etwa 13 Euro Eintritt).
Nachmittags geht’s weiter südlich, und hier wird’s ruhiger. Rouffach ist eine kleine Stadt mit einer überraschend schönen Stiftskirche und so gut wie keinen Touristen. Dann Guebwiller, weniger sexy als der Norden, aber drum herum gibt’s die Grands Crus wie Kitterlé und Kessler – wenn du Wein wirklich ernst nimmst, lohnt sich ein Stopp bei einem Winzer hier.
Endpunkt : Thann. Die Kollegiatkirche Saint-Thiébaut ist eine der schönsten gotischen Kirchen im Elsass, und der berühmteste Weinberg darüber – der Rangen – ist einer von nur 51 Grand-Cru-Lagen im Elsass. Steil, vulkanisch, krass. Wenn ein Wein an dem Hang wächst, kannst du dir vorstellen, wie konzentriert er sein muss.
Wo schläfst du ? Mein praktischer Tipp
Für drei Tage würde ich nicht jede Nacht woanders schlafen. Such dir eine zentrale Basis, idealerweise zwischen Ribeauvillé und Kaysersberg. Von dort hast du beide Enden der Route in unter 45 Minuten erreicht.
Hotels in den berühmten Dörfern kosten in der Saison schnell 150 bis 200 Euro die Nacht. Ein Gîte oder eine Ferienwohnung in einem weniger bekannten Nachbardorf (Beblenheim, Mittelwihr, Bennwihr) kostet die Hälfte und ist oft entspannter. Echt, der Aufpreis für eine Adresse „im Zentrum von Riquewihr“ lohnt sich meistens nicht.
Was du wann essen und trinken solltest
Drei Gerichte musst du im Elsass probieren : Tarte flambée (oder Flammkuchen, je nachdem auf welcher Seite des Rheins du aufgewachsen bist), Baeckeoffe und ein Choucroute garnie. Vermeide aber Restaurants mit großen Bildern der Gerichte vor der Tür und Menüs in fünf Sprachen. Das ist meistens für Bustouristen gemacht.
Für die Weinverkostung : such kleine Familienbetriebe, nicht die großen Marken, deren Namen du schon vom Supermarkt kennst. Verkostung ist fast immer kostenlos, wenn du höflich fragst. Pro Tipp : probier einen Pinot Gris von einem Grand-Cru-Lage und einen Gewurztraminer Spätlese. Das sind zwei Weine, die im Elsass besser sind als irgendwo sonst auf der Welt.
Mit welchem Verkehrsmittel ?
Ehrlich gesagt : Auto. Ich weiß, der Zug ist romantischer, aber die Verbindungen zwischen den kleinen Dörfern sind miserabel. Mit dem Auto bist du flexibel, und das Parken ist außer in Colmar und Riquewihr eigentlich überall einfach.
Wenn du Wein verkosten willst und niemand in der Gruppe nüchtern fahren möchte : nimm einen halben Tag mit dem Fahrrad. Es gibt sehr gut markierte Radwege zwischen den Dörfern, und Verleihstellen findest du in Ribeauvillé, Kaysersberg und Eguisheim. Rechne 20 bis 25 Euro pro Tag für ein klassisches Fahrrad, 35 bis 40 für ein E-Bike. Das E-Bike empfehle ich, sobald du in die Hügel willst – die Steigungen sind kürzer aber knackiger, als man auf der Karte denkt.
Drei Tage reichen, um die Weinstraße zu verstehen. Nicht um sie auszuschöpfen – dafür bräuchtest du eine Woche und mehr Geduld. Aber du gehst mit einem klaren Bild und ein paar Adressen, zu denen du irgendwann sicher zurückkommen willst.






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